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Geschmackloses Dinner

Geschmackloses Dinner

Kormoranbrust für den Umweltminister in Schwerin

22. Januar 2010 - Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat eine Großoffensive gegen den Kormoran in Mecklenburg-Vorpommern angekündigt. In neun von insgesamt 14 Kolonien sollen die Tiere mit Laserpointern vertrieben werden. Eier des Vogels will der Minister mit Öl bestreichen lassen, um das Ausbrüten zu verhindern. Backhaus stellte die Pläne am Dienstagabend vor, im Schweriner Schlossrestaurant bei einem Parlamentarischen Abend des Jagd- und des Angelverbandes. Serviert wurde dazu: „Kormoranbrust“.

Schweriner Schloss

Schweriner Schloss

Die einladenden Fischer und Jäger haben mit den beim Parlamentarischen Abend im Schweriner Schloss servierten „Kormoran-Brüstchen“ ein klassisches Eigentor geschossen. Während die Kormoran-Landesverordnung vorschreibt, die getöteten Tiere „ordnungsgemäß zu entsorgen“, wurden sie hier medienwirksam aufgetischt. „Man könnte es mit Humor nehmen, aber es sieht doch eher nach einem plumpen Versuch aus, der Bevölkerung den Kormoran als jagdbare und für den Menschen nutzbare Tierart zu verkaufen. Dabei unterliegt er dem Naturschutzrecht und ist nicht weniger geschützt als eine Amsel oder ein Rotkehlchen“, so der Kommentar von NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow.

Der von Umweltminister Till Backhaus (SPD) angekündigte Feldzug gegen den Kormoran offenbart ein rückwärts gewandtes Schädlich-Nützlich-Denken aus Zeiten, die eigentlich längst überwunden schienen.

Von der Bundesregierung wurde ein Kormoran-Managementplan gefordert

Fischerboote an der Havel

Das Comeback des Kormorans an Küsten, Seen und Flüsse ist trotz regionaler Probleme an Teichwirtschaften kein Anlass, die Vögel in großem Stil zu verfolgen und abzuschießen, wie von Backhaus angekündigt. Das legitime Interesse von Fischern und Teichwirten zur wirtschaftlichen Nutzung von Fischbeständen stehe außer Frage. Doch ein Managementplan, der – wie unter anderem in der Koalitionsvereinbarung der neuen Bundesregierung gefordert – die Zahl der Vögel halbieren soll, ist aus NABU-Sicht der falsche Weg. Das zeigten bisherige Untersuchungen. Selbst der Abschuss von mehr als 10.000 Jungvögeln in Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 2005 führte drei Jahre später – wenn die überlebenden Vögel erstmals gebrütet hätten – zu keiner Bestandsabnahme.

Kormorane gleichen Populationseinbrüche schnell aus

Die Ursachen liegen in der Biologie der Vögel: „Kormorane können Eingriffe in ihre Population in hohem Maße ausgleichen. Ein Kormoranpaar zieht jährlich zwei bis drei Jungvögel groß, doch rechnerisch sind schon 0,45 bis 0,50 flügge gewordene Jungvögel pro Jahr ausreichend, um die Population zu erhalten“, erklärte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow.

Kormorane gleichen Abschüsse zu einem recht hohen Grad durch Nachbruten aus.

Erst wenn die Nachkommenzahl unter diesen Wert fällt, ist ein längerfristiger Bestandsrückgang zu erwarten. Eingriffe, die bestandswirksam sein sollen, müssten deshalb einem Vernichtungsfeldzug gleichen, wie er gegen diese Vogelart schon einmal – vor mehr als 100 Jahren – geführt worden ist. „Das kann nicht Ziel heutiger Politik sein und wäre auch ethisch nicht akzeptabel“, sagte Nipkow. Dieselben Erfahrungen habe man an Möwen und Eiderenten gemacht, als diese jahrzehntelang ohne nachhaltigen Effekt auf deren Populationsgröße vehement bekämpft worden waren. Diese Arten gleichen ebenso wie die Kormorane Verluste durch Abschüsse schnell wieder aus, weil die Vögel sofort mehr Nachwuchs als sonst üblich produzieren.

Die Erfahrungen der letzten Jahre machen auch deutlich, dass bestandsregulierende Abschüsse nicht wie erhofft dazu führten, Ertragseinbußen durch Kormorane an Teichwirtschaften zu mindern. Wenn Kormorane an Teichwirtschaften in größerer Zahl fischen, helfen nur effiziente Abwehrmaßnahmen.

Für Rückfragen:

Markus Nipkow
NABU-Referent für Vogelschutz
Tel. 030-284984-1620

Stefan Schwill
Landesvorsitzender NABU Mecklenburg-Vorpommern
Tel. 039744-51456

mehr Pressemitteilung der Landes-Umweltverbände vom 25. Januar 2010

mehr Pressemitteilung der Landes-Umweltverbände vom 29. Januar 2010


Nachtrag 29. Januar 2010: Als Gast beim Pressegespräch der Naturschutzverbände NABU, OAMV, BUND und WWF in Schwerin ruderte Minister Backhaus zurück. Eine Reduktion der Kormoranbestände auf 3.000 Brutpaare sei nicht geplant. Eingriffe in Kolonien kämen nur zu Forschungszwecken in Frage. Entsprechende Anträge lägen bislang nicht vor. Die Naturschutzverbände würden am Entscheidungsprozess beteiligt. Qualifizierte Anträge der Fischereiwirtschaft zur Bestandsreduktion seien bisher nicht gestellt worden.

Die Naturschützer und der Minister betonten, dass nur sachliche Gespräche weiterhelfen. Dazu wurde im Rahmen des Treffens am 29. Januar der Anfang gemacht.

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