NABU.de Aktionen & Projekte Vogel des Jahres 1983 - Die Uferschwalbe

Die Uferschwalbe

Die Uferschwalbe

Vogel des Jahres 1983

Uferschwalben (Naumann)




In den Steilwänden vegetationsloser Uferabbrüche hatte die Uferschwalbe einst ihre Heimat. Heute gibt es diesen Lebensraum in Mitteleuropa kaum noch. Dass die Uferschwalbe nicht akut gefährdet ist, liegt an ihrer Fähigkeit, einen neuen Lebensraum zu besiedeln: Abgrabungen. Dies bedeutet jedoch nicht immer eine langfristige Überlebensgarantie.

Name und Verwandtschaft

Die Uferschwalbe (Riparia riparia) gehört zur Familie der Schwalben (Hirundinidae) und ist neben Rauchschwalbe und Mehlschwalbe eine Schwalbenart, die zahlenmäßig seltener, jedoch regelmäßig in Deutschland vorkommt.

Kennzeichen

Mit etwa 12 cm Länge und einem Körpergewicht von 14 g ist die Uferschwalbe die kleinste europäische Schwalbenart. Für ihr Nest baut sie Röhren in sandige und meist frisch abgebrochene Steilwände. Männchen und Weibchen der Uferschwalbe haben die gleiche Färbung. Die Oberseite ist dunkelbraun bis grau, die Unterseite mit Ausnahme der erdbraunen Brustseiten und des Brustbandes weiß. Der Schwanz ist nur sehr schwach gegabelt.

Lautäußerungen

Der häufigste Ruf der Uferschwalbe ist ein rauhes 1 bis 2-silbiges tschrd oder tschrrip. Ihre Rufe erlauben ein individuelles Erkennen zwischen Partnern sowie zwsichen Jungen und Eltern innerhalb der Kolonie. Als Warnruf dient ein hohes und weniger geräuschhaftes zier. Der eigentliche Gesang des Männchens ist ein unauffälliges, kurzes Gezwitscher.

Nahrung

Uferschwalben ernähren sich von kleineren Fluginsekten.

Lebensraum

Uferschwalben

Nachdem die Uferschwalbe ehemals Prallhänge von Fließgewässern bewohnt hat, brütet sie heute vor allem in frischen Anrissen junger Ablagerungen. Besonders häufig ist der kleine, schlanke Singvogel in Sand- und Kiesgruben während oder kurz nach dem Abbau anzutreffen. Uferschwalben suchen über Wiesen, Feldern und in Gewässernähe nach Nahrung.

Fortpflanzung

Wenn die Uferschwalbe im April aus ihrem afrikanischen Winterquartier nördlich des Äquators zurückkehrt, beginnt sie allmählich mit dem ca. 70 cm langen Röhrenbau an einer frisch angerissenen Steilwand. In die am Ende erweiterte und mit Gräsern und Wurzeln gepolsterte Nistkammer legt das Weibchen Ende April bis Ende Juni 4 bis 7 weiße Eier, die 14 bis 17 Tage lang bebrütet werden. Nach 20 bis 24 Tagen fliegen die Jungvögel aus. Ein Teil der Uferschwalben brütet je nach Legebeginn und Witterung auch ein zweites Mal.

Verbreitung

Die Uferschwalbe ist ein weit verbreiteter Koloniebrüter des Tieflandes von West-Europa bis zum Pazifik, sowie in Nord-Amerika.

Bestand

Der Gesamtbestand in Europa wird auf 5 bis 9 Millionen Brutpaare geschätzt - mit Schwerpunkten in Russland, der Ukraine, Polen und Schweden. In Deutschland brüten etwa 100.000 bis 210.000 Paare. Mit Ausnahme von Polen und Ungarn ist die Uferschwalbe in allen Roten Listen Mitteleuropas verzeichnet.

Gefährdung

Ursachen für die häufig starken Bestands-Fluktuationen sind zum einen die relative Instabilität der Brutplätze und zum anderen witterungsbedingte Einflüsse, wie z.B. Dürren in Winterquartieren. Flussausbau und -begradigungen haben die Brutmöglichkeiten in den vergangenen 200 Jahren erheblich verringert. Kies- und Sandgruben sind nicht nur instabil, sondern bestehen meist auch nur wenige Jahrzehnte. Sie können daher die ursprünglichen Habitate nicht auf Dauer ersetzen.

Vorschläge zum Schutz

Zum Schutz der Uferschwalbe sollten wasserbauliche Maßnahmen eingeschränkt und Flussläufe renaturiert werden. Feuchtgebiete mit Schilfflächen zur Nahrungssuche müssen erhalten werden. Sekundärbiotope wie Kies- und Sandgruben müssen nach Möglichkeit gesichert werden, z.B. durch Beratung der Grubenbesitzer, den Abbau von Koloniewänden während der Brutzeit zu unterlassen.

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