NABU.de Aktionen & Projekte Vogel des Jahres 1981 - Der Schwarzspecht

Der Schwarzspecht

Der Schwarzspecht

Vogel des Jahres 1981

Schwarzspecht

Schwarzspecht



Als ein Pionier des Waldes erschließt der Schwarzspecht vielen anderen Höhlenbrütern den Wald und insbesondere das Altholz. Wirtschaftsdenken und Ordnungsliebe gefährden diesen Lebensraum, so dass der Schwarzspecht stellvertretend für seltene Höhlenbrüter wie Rauhfußkauz und Hohltaube steht, ebenso wie für Spechte der Roten Liste wie Mittelspecht, Grünspecht und Weißrückenspecht.

Name

Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) zählt zur Familie der Spechte (Picidae), allesamt Höhlenbrüter, die sich - von wenigen Ausnahmen abgesehen - ihre Nisthöhlen selbst zimmern.

Kennzeichen

Der hoch entwickelte Schwarzspecht ist der größte Specht in unseren Breiten (bis zu 50 cm lang inklusive Schwanz). Sein Gefieder schimmert matt schwarz. Am Kopf trägt das Männchen einen komplett roten Scheitel, der sich beim Weibchen auf einen roten Nackenfleck beschränkt. Der Schnabel, besonders ausgeprägt und kräftig, ist gelblich bis elfenbeinfarben, die Iris blassgelb.

Schwarzspecht

Schwarzspecht

Lautäußerungen

Besonders intensiv ist sein 10 bis 20-silbiger Ruf zur Fortpflanzungszeit, z.B. kwoih-kwihkwihkwihk-wikwikwik… Warnruf ist ein der Dohle ähnliches kijak, Flugruf kürr-kürr-kürr und Standortruf kliööh. Der Trommelwirbel des Männchens besteht aus etwa 17 Schlägen pro Sekunde. Daneben ist auch demonstratives Klopfen und langsameres Trommeln zu hören.

Nahrung

Der Schwarzspecht ernährt sich vorwiegend von Larven und Puppen, adulten Ameisen und Holz bewohnenden Käfern (Borken- und Bockkäfer). Daneben frisst er Hymenopteren, Käfer, Dipteren, Schmetterlings-Raupen, Spinnen und kleine Schnecken. Nur äußerst selten versorgt er sich zusätzlich mit Beeren und Früchten.

Lebensraum

Der Schwarzspecht ist eng an alte Baumbestände gebunden, wobei die Holzart eine untergeordnete Rolle spielt. In Altholzbestände wie 80 bis 100-jährige Buchen mit mindestens 4 bis 10 Meter astfreien und über 35 cm starken Stämmen, baut er seine Brut- und Schlafhöhlen.

Fortpflanzung

Die Nesthöhle wird 30 bis 55 cm tief in die Stämme gebaut. Ende März oder Anfang April legt das Weibchen 2 bis 6 spitzovale, weiß glänzende Eier. Schon nach 12 bis 14 Tagen schlüpfen die Jungen, die entsprechend der kurzen Brutdauer noch nicht weit entwickelt sind. Ihre Nestlingsdauer beträgt in der Regel 27 bis 28 Tage. Schwarzspechte brüten einmal pro Jahr, bei Gelegeverlust kommt es jedoch zu einer Ersatzbrut.

Verbreitung

Das Areal des Schwarzspechts reicht in der gemäßigten Zone von Südwest-Europa, Frankreich und Norwegen nach Osten bis Sachalin und Nord-Japan. In Europa ist er von Tieflagen bis in die montane und - in geringerer Dichte - auch bis in die subalpine Stufe anzutreffen.

Bestand

Die Schwerpunkte der Verbreitung liegen in Osteuropa, Deutschland und Polen. In Deutschland wird der Bestand auf 28.000 bis 44.000 Brutpaare geschätzt.

Gefährdung

Der Bestand des Schwarzspechts wird derzeit zwar nicht als bedroht angesehen, doch er ist unmittelbar von der forstwirtschaftlichen Nutzung abhängig. Ein früher Umtrieb von (Buchen-) Althölzern und selektives Entfernen von Höhlenbäumen engen seine Brutmöglichkeiten ein.

Vorschläge zum Schutz

Da viele gefährdete Höhlenbrüter wie Hohltaube, Dohle und Rauhfußkauz, aber auch Wildbienen, Fledermäuse und Bilche von der Bautätigkeit des Schwarzspechts profitieren, ist der Schutz und die dauerhafte Erhaltung einer ausreichenden Zahl von Höhlenbäumen ökologisch bedeutsam und erforderlich. Die Umtriebszeiten im Wirtschaftswald sollten verlängert werden. "Altholzinseln" können mit dem Ziel ausgewiesen werden, sie der natürlichen Sukzession zu überlassen. Alt- und Totholz sollte auch im Wirtschaftswald in einem ausreichenden Anteil geduldet werden.

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