NABU.de Aktionen & Projekte Vogel des Jahres 1980 - Das Birkhuhn

Das Birkhuhn

Das Birkhuhn

Vogel des Jahres 1980

Birkhuhn im Schnee

Birkhahn im Schnee



Das noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts recht weit verbreitete Birkhuhn ist in Deutschland wie in nahezu allen anderen europäischen Ländern extrem selten geworden. Geeignete großräumige Lebensräume, wie Moore, Heiden und Wiesen müssen gesichert und gestaltet werden, um die Art langfristig zu erhalten.

Name und Verwandtschaft

Das Birkhuhn (Tetrao tetrix) gehört zur Familie der Rauhfußhühner (Tetraonidae), die ihren Namen den befiederten Füßen verdanken. In Europa kommen vier Arten Rauhfußhühner vor, nämlich Auer-, Birk-, Hasel- und Alpenschneehuhn.

Kennzeichen

Das Männchen ist größer als das Weibchen und blauschwarz gefärbt mit weißen Unterflügel- und Unterschwanzdecken. Das Weibchen ist braun bis gelbbraun mit weißer Flügelbinde und gegabeltem Schwanz. Über dem Auge hat das Birkhuhn nackte rote Hautstellen ("Rosen"), die beim Männchen während der Balz besonders auffällig und geschwollen sind. Sein lauter, kullernder Ruf und die breit gefächerte Vorwärtspose bei der Balz sind besondere Verhaltenskennzeichen.

Lautäußerungen

Balzende Männchen kullern und zischen, was mehrere Kilometer weit zu hören sein kann. Bei Auseinandersetzungen mit Rivalen rufen sie kro-kraio, bei Störung guk. Weibchen gackern nasal.

Nahrung

Birkhühner ernähren sich vorwiegend von Pflanzen, wobei sie sich dem jahreszeitlichen Angebot von Knospen, Blüten und Blättern anpassen. Im Sommer ergänzen auch kleinere Wirbellose wie Insekten und Spinnen den Speiseplan.

Lebensraum

Das Birkhuhn bewohnt im Tiefland meist große, reich gegliederte Heide- und Moorgebiete, sowie stark gelichtete Waldflächen. Im Gebirge bevorzugt es Wald- und Baumgrenzen mit vielgestaltiger Zwergstrauchvegetation und offenen Matten.

Fortpflanzung

Das Nest liegt gut versteckt in einer Mulde am Boden. Die Henne legt in der Regel 7 bis 10 gelbbraune, grau bis dunkelbraun gefleckte Eier. Im mitteleuropäischen Flachland ist Ende April Legebeginn, in höheren Lagen Anfang Mai, und im Hochgebirge Ende Mai bis Anfang Juni. Die Eier werden 25 bis 27 Tage bebrütet. Nach 4 Wochen sind die Küken weitgehend selbstständig, bleiben jedoch bis zum September (Bildung von Winterscharen) im Familienverband.

Verbreitung

Das Birkhuhn ist Brutvogel der borealen und subarktischen Waldzone, sowie der entsprechenden alpinen und glazialen Landschaften von Großbritannien bis in den Osten Sibiriens. Ursprünglich war es im gesamten Verbreitungsgebiet durchaus häufig, inzwischen ist es aus den meisten Regionen verschwunden.

Bestand

Mehr als 90 % der europäischen Population ist mittlerweile auf Russland konzentriert. In Mitteleuropa brüten noch etwa 25.000 Weibchen, davon über 80 % in der Schweiz und in Österreich. In Deutschland leben noch maximal 1600 Weibchen verteilt auf letzte, inselartige Vorkommen. Das Birkhuhn ist in allen Roten Listen Mitteleuropas als gefährdeter bzw. vom Aussterben bedrohter Brutvogel verzeichnet.

Gefährdung

Der Bestandseinbruch des Birkhuhns ist hauptsächlich auf den Verlust und die Zerschneidung seiner Lebensräume zurückzuführen. Die Rückgänge stehen fast immer in Zusammenhang mit Trockenlegung und industriellem Torfabbau, sowie der Aufforstung von Mooren und Heidegebieten. Auch durch intensive Weidewirtschaft können wichtige Lebensräume verloren gehen. Im Hochgebirge drohen Erschließungen vor allem für den Wintersport Lebensräume zu vernichten. In manchen Ländern unterliegt das Birkhuhn bis heute der Jagd.

Forderungen zum Schutz

Ohne die Sicherung und Gestaltung geeigneter großräumiger Lebensräume hat das Birkhuhn in Mitteleuropa auf Dauer kaum noch Überlebenschancen. Verbliebene Moor- und Torfgebiete müssen dauerhaft geschützt werden. Extensive Landbewirtschaftung und die Erhaltung geeigneter Freiflächen können als flankierende Maßnahmen dienen. Die Jagd sollte europaweit beendet oder zumindest auf ein Minimum beschränkt werden.


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