NABU.de Aktionen & Projekte Vogel des Jahres 1972 - Der Steinkauz

Der Steinkauz

Der Steinkauz

Vogel des Jahres 1972

Steinkauz




Der Steinkauz besiedelt ein Landschaftsmosaik, das in Mitteleuropa immer seltener geworden ist. Gezielte Schutzmaßnahmen konnten gebietsweise den Rückgang stoppen, dennoch hat der Steinkauz viele seiner ursprünglichen Brutgebiete aufgegeben.

Name

Der Steinkauz (Athene noctua) ist ein Eulenvogel (Familie Strigidae, Ordnung Strigiformes).

Kennzeichen

Das Gefieder der kurzschwänzigen, kleinen Eule ist auf der Oberseite dunkelbraun und dicht weißlich gefleckt bzw. gebändert. Die Unterseite ist weißlich und breit dunkelbraun gestreift. Über den großen gelben Augen befinden sich schmale weiße Überaugenstreifen. Federohren fehlen ihm. Seine Stirn ist niedrig und flach.

Lautäußerungen

Der Steinkauz ist lebhaft und verfügt über ein relativ breites Rufrepertoire. Erregungs- und Warnruf ist ein guhat, kwiau, oder kurze kja, kju oder keck Laute. Das Männchen lockt mittels monoton gereihter Huui- oder Ghu(k)-Laute.

Steinkauz

Nahrung

In Europa gehören mindestens 25 Kleinsäuger und 60 Vogelarten zu seinem vielseitigen Nahrungsspektrum, wobei die Feldmaus den größten Anteil hat. Ferner erbeutet der Steinkauz kleine Reptilien, Amphibien, ausnahmsweise auch Fische sowie Insekten und Regenwürmer.

Lebensraum

Der Steinkauz bevorzugt offene, grünlandreiche Landschaften mit ganzjährig kurzer Vegetation. Baumreihen oder Baumgruppen müssen als Höhlen und Rufwarten ebenfalls vorhanden sein. Besonders kopfbaumreiche Wiesen und Weiden sowie Streuobstwiesen bieten dem Steinkauz gute Lebensbedingungen. Auch in lichten Parks, Dörfern und Steinbrüchen kann er vorkommen. Waldgebiete hingegen meidet er völlig.

Fortpflanzung

Der Steinkauz brütet in Mitteleuropa überwiegend in Baumhöhlen bzw. alten Kopfbäumen. Sein Neststand ist jedoch variabel und kann sich auch an Gebäuden, Bodenhöhlen, Steinmauern oder Felshöhlungen befinden. In Abhängigkeit von der Feldmausdichte legt der Steinkauz Mitte April bis Mitte Mai6 bis 7 weiße, nahezu kugelige Eier. Nach 22 bis 30 Tagen schlüpfen die Jungen, die anschließend eine Woche lang intensiv gehudert werden. Mit etwa 35 Tagen verlassen die Jungen die Höhle, mit 38 bis 46 Tagen fliegen sie und mit 2 bis 3 Monaten wandern sie aus dem Revier ab. Zweitbruten sind selten.

Verbreitung

Der Steinkauz ist von Westeuropa und den Ländern um das Mittelmeer - einschließlich Nordafrika - quer durch Eurasien bis nach China verbreitet. In Neuseeland und Großbritannien wurde die Art erfolgreich eingebürgert.

Bestand

In Mitteleuropa ist der Steinkauz auf weitgehend waldfreie Tieflagen unterhalb 500 mNN beschränkt. Sein Brutvorkommen ist lückenhaft. In Mitteleuropa brüten noch mindestens 560.000 Paare, jedoch mit abnehmender Tendenz unter anderem in Spanien, Frankreich, Holland und den meisten osteuropäischen Ländern. In Deutschland steht er mit einem Bestand von etwa 6.000 Paaren auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet.

Gefährdung

Hauptursache für den fortschreitenden Bestandsrückgang des Steinkauzes ist der Verlust an geeignetem Lebensraum - ausgelöst vor allem durch folgende Faktoren:

  • Rodung von Streuobstwiesen und alten (Kopf-) Bäumen durch Intensivierung der Landbewirtschaftung sowie durch Bauvorhaben in ortsnahen Obstbaumgürteln
  • Verlust oder Rückgang extensiv genutzter Mähwiesen und Weiden
  • Sanierung und Modernisierung alter Gemäuer

Forderungen zum Schutz

Systematische Biotopverbesserungen und Nutzungsänderungen könnten eine langsame Wiederausbreitung der Art bewirken. Doch scheint dies in Anbetracht der teilweise sehr kleinen, isolierten Restpopulationen recht schwierig. In Deutschland ist vor allem das Kerngebiet des Steinkauzes am Niederrhein konsequent zu erhalten und in seiner Qualität für den Steinkauz weiter zu verbessern. Extensiv genutztes Grünland wie Mähwiesen, Streuobstwiesen und Weiden muss dabei langfristig gesichert werden. Agrarförderprogramme, die entsprechende Anreize bieten, sind zu fordern und umzusetzen.

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