NABU.de Aktionen & Projekte Untere Havel Was tut der NABU? Radeln für die Havel
Radeln für den Schutz von Elbe und Havel
Immer den Fluss entlang
Tagebuch zur NABU-Tour der Hilfe
Quer durch Norddeutschland verläuft die Spendenroute, die auf über 400 Kilometern in nur drei Tagen von unseren Radfahrern gemeistert wurde. Entlang der Strecke setzen sich an vielen Stellen Menschen dafür ein, dass unsere übernutzten Flusslandschaften wieder naturnäher werden. Von Cuxhaven bis Rühstädt werden an der Elbe Niedermoore wieder vernässt, Störche gezählt oder Besucherzentren betrieben. Zum krönenden Abschluss soll auf dem letzten Viertel von 100 Kilometern bis Rathenow der gesamte Flusslauf der Unteren Havel renaturiert werden.
An den jeweiligen Etappenzielen der Strecke wird das Radfahrer-Team von den aktiven NABU-Gruppen, von Vertretern der Kommunen und NABU-Präsident Olaf Tschimpke begrüßt. Doch auch vom Sattel aus lässt sich Interessantes berichten.
Unterstützen Sie die Aktion und spenden Sie für das Havelprojekt:
Bank für Sozialwirtschaft
Spendenzweck: Tour der Hilfe
BLZ 370 205 00
Konto-Nr. 100 100
Tag 3
27. August - Von Gartow nach Rathenow
NABU Westhavelland
Aktivitäten: Faltermonitoring, Feucht- und Streuobstwiesenpflege, Vogelberingung, Turmumbau
Betreute Schutzgebiete: Naturpark Westhavelland, Gülper See, Stereuobstwiesen Milow
Rühstädt – Bei Nieselregen, der sich den ganzen Tag halten soll, radelt unser Spendenteam gegen 9 Uhr morgens in Gartow los. Unser erster Stopp an diesem Morgen ist Rühstädt. In dem Dorf mit den meisten Störchen in Deutschland machen sie einen Kurzstopp am NABU-Storchenzentrum. Hier kann man viel Interessantes über die Lebensweise des Weißstorchs und seinen Lebensraum Elbtalaue sowie Gefährdungen und Schutzmaßnahmen erfahren.
Der Bürgermeister des 250 Einwohner zählenden Dorfes empfängt uns mit Kathleen Awe, Betreuerin des Infozentrums, und erzählt, dass sich am Dienstag die letzten der 36 Störche auf den Weg nach Afrika gemacht haben. Sie hatten eine erfolgreiche Brutsaison an der Elbe, denn die Feuchtwiesen der Umgebung boten wohl genügend Nahrung. Die landschaftliche Schönheit hebt noch einmal Mitfahrer und NABU-Verkehrsexperte Dietmar Öliger hervor, der trotz des schlechten Wetters diesen Streckenabschnitt als den bisher reizvollsten hält. Auch ein historischer Bezug bot sich hier. So passierten unsere Radfahrer die ehemalige innerdeutsche Grenze nach Brandenburg zur gleichen Zeit, zu der damals im Wendejahr der Schlagbaum fiel.
Auch der Bürgermeister von Havelberg spendet für die Renaturierung "seines" Flusses.
Havelberg – Unweit der Stelle, an der die Havel in die Elbe mündet, liegt die bekannte Domstadt Havelberg. Der Projektleiter der Havelrenaturierung, Rocco Buchta, schildert den bei einem Ortstermin Pressevertretern den Zweck des Spendenprojektes, während unser Radfahrerteam in der Stadt eintrifft. Die Begrüßung durch Bürgermeister Bernd Poloski ist herzlich. Das Mittagessen unter dem NABU-Pavillon tut gut und bietet eine satte Grundlage für den letzten Streckenabschnitt bis Rathenow. Ein letzter Blick vom Domberg zeigt noch einmal die weite Auenlandschaft der Havel, die einzigartig ist in Mitteleuropa.
Rathenow – Im Optikpark Rathenows werden am Nachmittag vier der ursprünglich fünf Rennradfahrer von NABU-Präsident Olaf Tschimpke begrüßt. Klaus Nattermann musste aufgrund einer Knieverletzung zwischendurch ausscheiden, ist jedoch trotzdem wohlauf. In Rathenow findet die Abschlussveranstaltung zur NABU-Tour der Hilfe statt. Unter Anwesenheit des Staatssekretärs und des Rathenower Bürgermeisters kommt unter großem Applaus die Tour der Hilfe zum Abschluss.
Tag 2
26. August - Von Hamburg nach Gartow
NABU-Gruppe Geesthacht
Mitglieder: 1000 (Stand 2007)
Aktivitäten: Schwalbenschutz, Nachtigallennacht, Batight, Turmfalkenkamera
Betreute Schutzgebiete: Vogelinsel "Hachedesand", Bistal, Schleuseninsel
Geesthacht – Bei unserem Start am Morgen wurden wir von grauem Himmel und Nieselregen begleitet. Für die Radfahrer war dies jedoch kein Hindernis die 50 Kilometer lange Strecke zu radeln. Es lockte ein Frühstück beim NABU Geesthacht. Auf dem Menzer-Werft-Platz begrüßte der örtliche NABU-Vorsitzende Claus Hektor die Anwesenden und schilderte die Besonderheiten der Natur vor der Haustür – etwa die Sandbänke der Vogelinsel Hachedesand, wo regelmäßig Pflegemaßnahmen stattfinden. Bürgermeister Manow und NABU-Präsident Tschimpke tauschten sich über die Bedeutung intakter Flusslandschaften aus.
Zahlreiche Passanten und NABU-Mitglieder informierten sich bei Kaffee und belegten Brötchen über das Havel-Projekt und konnten anschließend sogar noch eine Bootstour zum Hachedesand machen. Eine spektakuläre Flugschau von einem Seeadlerpaar zeigte deutlich wie sinnvoll solche Rückzugsgebiete für Tiere sind. Etliche Gänse und Watvögel, die man sonst eher von den Küsten kennt, kommen im Spätsommer und Herbst hierher.
NABU-Gruppe Lüneburg
Mitglieder: 1200 (Stand 2009)
Aktivitäten: Schleiereulen-, Storchen- und Amphibienschutz, Biotoppflege, Artenerfassungen, Umweltbildung
Betreute Schutzgebiete: Orchideenwiesen Elfenbruch, "Lüneburger Ilmenauwiesen"
Bleckede – Durch wunderschöne Flussauen geht die Tour weiter, an der Stadt Lauenburg vorbei nach Bleckede. Dort ist die nächste Teilstrecke geschafft. In dem kleinen Ort Bleckede gibt es einen Empfang der NABU-Radfahrer durch den Bürgermeister Jens Böther und der NABU-Gruppe Lüneburg. An einem Stand haben sich einige Bürger eingefunden. Eine engagierte Spenderin beklagt, dass gar nicht weit weg in einem Kranichrastgebiet ein neuer Windpark geplant ist. Der NABU Lüneburg möchte gern mehr erreichen, doch es fehlen Mittel und jüngere Mitglieder, die neue Projekte in Angriff nehmen möchten. Bürgermeister Böther lobt die Leistung des NABU und wünscht unserem Radteam eine weiterhin gute Reise. Nach einem Mittagsmahl am Marktplatz geht es um 14 Uhr weiter.
Biberführer Stefan Reinsch zeigt den Radfahrern die einzigartige Biberwelt in Gartow.
Gartow – „Auf dem Elberadweg musste man aufpassen, dass man seinen Hintermann nicht mit Kuhmist besprenkelte, denn streckenweise standen viele Kühe, zwischen denen wir hindurch fahren mussten“ schildert NABU-Agrarexperte Florian Schöne die Strecke nach Gartow. Die Tour durchs Wendland bietet weite Sicht über die Überflutungsflächen und kurvenreiche Straßen, die den Sportradler kurzzeitig seine Halsschmerzen vergessen ließen.
Auch der Regen hat endlich aufgehört, als wir an unserem Etappenziel, dem Gartower See, ankommen. Im Café Salix lassen wir den Abend mit Vertretern der NABU-Gruppe Lüchow-Dannenberg ausklingen.
Ein abschließendes Highlight an diesem Tag ist eine Biber-Kanutour. Mit synchronen und vorsichtigen Paddelstößen gleiten wir über das glatte Wasser, und tatsächlich – auf einmal taucht wenige Meter vor unserem Boot ein Biber auf und lässt sich Zeit bis er wieder untertaucht. Später erspähen wir in einer urwüchsigen Wasserschleife noch eine ganze Familie der großen Nager. 200 Biber gibt es wieder in der Elbtalaue – ein Erfolg der großflächigen Unter-Schutz-Stellung und Renaturierung der Mittelelbe.
Tag 1
25. August - Von Cuxhaven bis Hamburg
Bevor sich unsere Tour-der-Hilfe-Radfahrer um 9 Uhr am NABU-Umweltzentrum in Cuxhaven auf den Weg machen können, ist basteln und schrauben angesagt. Die Fahrräder, die für die Anreise mit der Bahn zerlegt worden waren, sind wieder zusammenzubauen. Lenkerbänder müssen erneuert, Ketten geölt und Wasserflaschen befüllt werden. Bei wolkenverhangenen Himmel, der die Sonne nur in kleinen Lücken durchscheinen lässt, und einem kräftig blasenden Rückenwind verabschieden NABU-Präsident Olaf Tschimpke, der niedersächsische Landesvorsitzende Dr. Holger Buschmann sowie der Vorsitzende des NABU-Kreisverbandes Cuxhaven, Dr. Jochen Ropers, zusammen mit dem Cuxhavens Bürgermeister Bernd Jothe die Radfahrer in Richtung Glückstadt.
NABU-Gruppe Glückstadt
Mitglieder: 151 (Stand 2009)
Aktivitäten: Bodenbrüterschutz, Beweidungsprojekte, Biotoppflege, Umweltbildung
Betreute Schutzgebiete: Rhinplate und Elbufer, Herrenfelder Teiche
Glückstadt - Nach rund 80 Kilometern überqueren Klaus Nattermann, die Initiator der Tour der Hilfe, Dietmar Oeliger, Florian Schöne, Johannes Stahr und die einzige Frau im Team, Gianna Kerstin Weichaus, mit der Fähre die Elbe bei Wischhafen. Wenige Kilometer später wartet in Glückstadt nicht nur eine große Portion Nudeln, mit denen der Kalorienverlust ausgeglichen wird, auf die Tourenfahrer, sondern auch eine Abordnung des NABU Glückstadt sowie Gerhard Blasberg, der Bürgermeister der reizvollen Elbestädtchens.
Glückstadt wurde am Reißbrett geplant und auf Land gebaut, das einst der Elbe durch Deichbauten abgerungen wurde. Die historische Altstadt ist fast geschlossen erhalten.
In einer Flussmündung steht Süßwasser unter Tideeinfluss – an der Elbe etwa von Glückstadt stromaufwärts bis zur Staustufe Geesthacht. Hier ist ein äußerst seltener Lebensraum entstanden: das Süßwasserwatt. Das der Wedeler Marsch vorgelagerte Fährmannssander Watt ist mit einer Länge von etwa fünf Kilometern und einer Breite von bis zu 800 Metern eines der größten Süßwasserwatten Europas. In der Carl Zeiss Vogelstation in der Wedeler Marsch westlich von Hamburg können Kinder und Jugendliche typische Wasser- und Watvögel hautnah erleben, ohne diese zu stören.
Das Team in Wedel
Die Vogelschutzstation im Rücken stellt NABU-Fahrer Florian Schöne, Referent für Landwirtschaft, jedoch fest, dass inmitten der intakten Natur vielzählige Maisfelder auf eine überaus intensive Landnutzung deuten lassen, die es vielen Vögeln erschwert, passende Lebensräume zu finden.
Wedel - Bei Sonnenschein weiter in Richtung Hamburg. Bis zur Elbmetropole ist es auch nicht mehr weit. Ein kurzer Stopp am Schulauer Fährhaus in Wedel ermöglicht es Hobbyradlern mit auf die Tour zu gehen. Bei einem wärmenden Kaffee und Windbeuteln können alle noch einmal einen Blick auf die riesigen Elbfrachter werfen, bei deren Erscheinen stets die jeweilige Nationalhymne erklingt.
Nach einem letzten Fahrradcheck schließt sich der Tross einem Scout des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) an. Zwar konnten nicht die gleichen rasanten Geschwindigkeiten wie auf den Straßen zuvor erreicht werden, eine gelungene Abwechslung war es allemal.
Hamburg – Mit Blick auf den Altonaer Fischmarkt und die Landungsbrücken nähert sich das Team der Speicherstadt. Von weitem hört man schon die Marching Band „Bunte Hunde“, die am Tagesziel, der Kirche St. Katharinen, bereits kräftig für Stimmung sorgt. NABU-Präsident Olaf Tschimpke ist zufrieden mit seiner Fahrleistung und gönnt sich eine Stärkung am Bio-Grill. Während das NABU-Glücksrad sich dreht und sich Interessierte über das Havelprojekt informieren lassen, tauschen sich die Radler über die Erlebnisse auf der 130 Kilometer langen Etappe aus.
Trotz einer spontanen Änderung im Streckenverlauf waren sich alle Beteiligten einig: Entlang der Deiche fährt es sich zwar weniger schnell als auf Bundesstraßen, dafür konnte aber die Arbeit des NABU Hamburg zum Schutz der Elbe positiv in Augenschein genommen werden. Das NABU-Rennradteam ist gespannt, wie sich der Gewässerschutz flussaufwärts bemerkbar macht. Elbe und Havel – alles im Fluss? Der NABU setzt ein Zeichen mit der Renaturierung der Unteren Havel und jeder kann dabei helfen.
Hintergrund & Infos zur Tour
Radeln für die Havel
Der NABU veranstaltete anlässlich seines 111-jährigen Jubiläums vom 25. bis 27. August eine „NABU-Tour der Hilfe“. Die über 400 Kilometer lange Radtour führte von der Nordsee entlang der Elbe bis zur Havel. Für den Schutz unserer heimischen Flüsse können Sie uns helfen.
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