NABU.de Aktionen & Projekte Stadtklima im Wandel Fach-Infos
Ein Problem ohne Grenzen
Ein Problem ohne Grenzen
EU-weite Initiativen sollen das Klima in europäischen Städten verbessern
Es ist unübersehbar: der Klimawandel macht nicht an Landesgrenzen halt. Die Abgase eines Autos in einer niedersächsischen Kleinstadt beeinflussen das Klima auf der ganzen Welt. Und auch umgekehrt: die Auswirkungen der Emissionen einer Stadt wie beispielsweise Paris in Frankreich tragen zur Notwendigkeit bei, dass sich eine Deutsche Stadt wie Dresden an den Klimawandel anpassen muss. Das bedeutet: sowohl Klimaschutz als auch Anpassung an den Klimawandel ist eine europäische, ja ein weltweite Herausforderung. Den Lösungen für den Umgang mit diesen Problemen liegen immer ähnliche Überlegungen und Herangehensweisen zu Grunde, auch wenn sie am Ende auf eine Region maßgeschneidert angepasst werden müssen. Wir wollen uns hier auf Europa beschränken und einen Blick darauf werfen, welchen Beitrag eine europäische Idee und Zusammenarbeit aber auch die Europäische Union leisten können, um unsere Städte klimaangepasst und nachhaltiger zu gestalten. Auch wenn jeder begrünte Balkon und jedes abgeschaffte Auto helfen, diesem Ziel näher zu kommen, liegen doch die übergeordneten, planerischen Herausforderungen bei den Städten und Gemeinden.
Gestaltungsmöglichkeiten der EU
Die Europäische Union kann einzelne Regionen und Kommunen trotz ihrer Eigenständigkeit auf verschiedene Art und Weise in ihren Bemühungen unterstützen, aber auch in die Pflicht nehmen. Letzteres geschieht durch die EU-Rechtsvorschriften, also Richtlinien bzw. Verordnungen, die dazu führen, dass Klimaschutz- und –anpassungsthemen in den nationalen Gesetzen zu verankert werden. Die Folge sind europaweit einheitliche Anstrengungen und Vorgaben zum Beispiel bei der Förderung von Energieeffizienz, der Nutzung Erneuerbarer Energien und nachhaltiger Mobilitätskonzepte. Daneben werden immer wieder einzelne Förderprogramme und Wettbewerbe ins Leben gerufen, um die nachhaltige Stadtplanung in den Mittelpunkt zu rücken. Neben der reinen Bewusstseinsbildung zur Notwendigkeit des Klimaschutzes und der Anpassung an zu erwartende Klimafolgen wird viel Forschungsförderung durch die EU betrieben. Der sich ergebende Erkenntnisgewinn legt den Grundstein für zukünftige Veränderungen. Ein gutes Beispiel dafür ist der „Urban Atlas “ (Auswahl im Menüpunkt „products“), durch den unterschiedlichste Nutzer im Internet in der Lage sind, Landnutzungsdaten, z.B. über die Grünflächenverteilung und -Vernetzung auf einer einfach zu bedienenden Karte zu vergleichen. Er ist hervorgegangen aus einem Projekt der europäischen Umweltagentur.
Nicht nur von der Europäischen Union ausgehende Initiativen sind europaweit bedeutsam. Unabhängig davon, wer sie ins Leben ruft: Signalwirkung für die breite Masse unserer Städte von Helsinki bis Lissabon gehen vor allem von freiwilligen Initiativen oder auch Wettbewerbsgewinnern aus. Denn dadurch umgesetzten Veränderungen werden nicht durch übergeordnete Vorschriften ausgelöst, sondern zeigen aus eigener Initiative, dass Regionen sich einer Herausforderung stellen müssen und können.
Konvent der Bürgermeister/innen
Ein Beispiel für eine solche Initiative ist der Konvent der Bürgermeister/innen, in dem sich europäische Städte bzw. deren Bürgermeister/innen zusammengetan haben. Einerseits haben sie sich ambitionierte, Klimaschutzziele, verbindlich gesetzt, andererseits verfolgt das Netzwerk den Gedanken, gemeinsam die nachhaltige Stadtentwicklung und die Anpassung ihrer Städte an den Klimawandel voranzubringen und gemachte Erfahrungen auszutauschen.
In einer Konvention verpflichten sich die teilnehmenden Bürgermeister, in Sachen Klimaschutz über die Treibhausgas-Reduktionsziele der EU hinauszugehen und sich auf den Weg zu einer nachhaltigen Stadt zu machen. Neben dem Klimaschutz gilt die Selbstverpflichtung aber auch für die Klimaanpassung. So sollen die städtischen Strukturen den kommenden und bereits vorliegenden Herausforderungen angepasst werden, unter anderem durch Einstellung von Fachkräften zur Organisation und Durchführung geeigneter Maßnahmen. Auch die Einbindung der Zivilgesellschaft in den Aktionsplan ist verstärkt vorgesehen. Das bedeutet, dass die Bürger aufgeklärt und dazu ermuntert werden sollen, sich an dem Umgestaltungsprozess für die Zukunft, der schließlich alle betrifft, zu beteiligen. Das Netzwerk dient natürlich auch dem Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Motivation. Es soll gezeigt werden, dass jeder etwas dazu beitragen kann und eine Vernetzung auf jeder Ebene sinnvoll ist. Vom Zusammenschluss der Nachbarn eines Mietshauses um gemeinsam das Gebäudeumfeld zu begrünen bis hin zu Städten der Europäischen Union.
Die Auszeichnung European Green Capital Awards
Hamburg - Die Europäische Umwelthauptstadt 2011
2011 sollen alle Bürgerinnen und Bürger in Hamburg eingeladen werden, sich am Klimaschutz zu beteiligen. Bei der Auftaktveranstaltung am 14. Januar 2011 wird deswegen der „Sustainable Dancefloor“ im Mittelpunkt stehen – eine Tanzfläche, die durch die Bewegungen der Tänzer Energie erzeugt. Weitere Informationen rund um das „Green Capital 2011“ Hamburg finden Sie hier.
Die Grüne Hauptstadt Europas zeichnet sich durch viel Umweltengagement und herausragende Initiativen zur Verbesserung des Zustands von Luft, Wasser und Boden sowie der Lebensbedingungen der Stadtbewohner aus. Die Auszeichnung wurde im Jahr 2010 zum ersten Mal verliehen, und zwar an Stockholm in Schweden. Im kommenden Jahr trägt Hamburg den Titel. Am Preisträger Hamburg zeigt sich, dass der EU-Wettbewerb sowohl Stadtverwaltungen motivieren kann, gut geplante und durchgeführte Maßnahmen zum Umweltschutz, Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen und in ein gemeinsames Konzept einzubetten. Die Hansestadt im Norden hat durch unterschiedliche Aktivitäten und Konzepte die Juroren überzeugt. Gegenüber 1990 wurde der Ausstoß von Treibhausgas pro Kopf um 15 Prozent gesenkt. Die jährliche Energieeinsparung belief sich damit auf 46.000 MWh. Bis 2050 sollen die CO2-Emissionen um insgesamt 80 Prozent gesenkt werden. Der Grundgedanke der Auszeichnung ist aber nicht im Klimaschutz zu suchen. Auch in Europa leben mittlerweile vier von fünf Menschen in Städten. Um Gesundheit und Umwelt zu schützen, hat sich die EU-Kommission zum Ziel gesetzt, durch den attraktiven Wettbewerb die Anstrengungen der teilnehmenden Kommunen zu erhöhen, die Umwelt- und Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Auch im Hamburger Hafen wird immer mehr Fracht verladen. Überzeugt hat hier das Konzept, mehr Fracht pro Hafenfläche umzuschlagen und nicht genutzte Hafenbecken wieder zu nutzen und nicht einfach die Hafenfläche zu erweitern. Auch beim Nahverkehr konnte Hamburg als Millionenmetropole punkten, weil nahezu jeder Einwohner in 300 Metern Entfernung eine Haltestelle findet.
AMICA
Das Projekt AMICA hat sich Politikberatung zum Ziel gesetzt. AMICA steht für „Adaptation and Mitigation Climate Alliance“. Es beruht auf einer Initiative des Klimabündnisses. Das Klimabündnis ist ein Zusammenschluss von über 1500 europäischen Städten und Gemeinden sowie assoziierten Partnern, wie Nichtregierungsorganisationen, die sich Klimaschutz und Anpassung auf die Fahnen geschrieben haben. Im AMICA Projekt werden verdeutlicht, dass Klimaschutz und Klimaanpassung sich gut ergänzen. Die Notwendigkeit, auf beiden Feldern handeln zu müssen, wird durch folgenden Vergleich beschrieben: Bei einem Fahrrad mit kaputter Bremse hilft es nichts, sich lediglich einen Helm zu kaufen. Es hilft aber auch nicht, die Bremse zu reparieren, ohne einen Helm zu kaufen, denn die Gefahr, durch Stürze Kopfverletzungen zu erleiden, bleibt bestehen. Im AMICA-Projekt werden deshalb konkrete Hilfestellungen für die Kommunal- und Regionalpolitik gegeben, und zwar in Form von Informationen und Bewertungsmatrizen. Die Internetseite hält viele interessante Ideen für die örtliche Politik vor. Es lohnt sich, vorbeizuschauen.
Weitere Informationen:
Urban Atlas
Offizielle Seiten zur Aktion „European Green Capital 2011“
Informationsseiten zum Projekt AMICA

NABU Regional
Service
E-Cards
Podcasts
Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.
NABU-Newsletter
Verbandsnetz
Ansprechpartner
Benjamin Bongardt
Tel. 030.28 49 84-16 10
Benjamin Bongardt
Siedlungsentwicklung
Wie lebenswert sind unsere Städte und Dörfer? Mehr






