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Wat'n Pläseer!

Wat'n Pläseer!

Fassadenbegrünung in der Stadt Leer

Dass kleine Verbesserungen zum Stadtklima auch mit Bildung, Information der Öffentlichkeit und einer Stadtverschönerung einher gehen können, zeigt ein Projekt in der Stadt Leer in Ostfriesland. Im Jahr 1994 startete ein ehrenamtlich vorangetriebenes Bürgerprojekt mit Unterstützung der Stadt, der Volkshochschule und des Stadtmarketings. Ziel ist es, stadtökologisch wichtige Themen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und diese zum Nachahmen zu bewegen. In zwei Schritte wurde im Stadtkern ein Lehrpfad (der sogenannte LEER-Pfad) aufgebaut und 1999 eingeweiht. Der LEER-Pfad zeigt, dass ökologisches Handeln nicht nur der Natur zugute kommt, sondern ebenso die Lebensqualität für die Menschen in der Stadt fördert. An dieser Stelle soll nur die Station zur Fassadenbegrünung näher beleuchtet werden, weil sie die an einem Gebäude zeigt, was mit dieser nahezu überall anwendbaren Begrünungsmaßnahme gestalterisch möglich ist.


Der LEER-Pfad selbst ist ein drei Kilometer langer fußläufiger Rundweg durch die Innenstadt mit 11 Stationen plus sechs Stationen im Naherholungsgebiet Leeraner Westerhammrich. Er behandelt Themen zu Umwelt- und Naturschutz wie „Bäume in der Stadt“, „Dach- und Fassadenbegrünung“ und „Tiere in der Stadt“, nimmt sich aber auch der Nutzung regenerativer Energien, umweltverträglichen Verkehrskonzepten und umweltbewusstem Konsum an und bringt diese Themen dem Besucher näher. In einem zusätzlichen äußeren Ring werden in Form eines Radweges in 29 Stationen noch mehr konkrete Beispiele aufgezeigt. Die Einbindung des LEER-Pfades in die Stadt zielt darauf hin, dass nicht nur Umweltinteressierte die Stationen besuchen, sondern alle Passanten mit den Themen in Berührung kommen. Dadurch sollen Denkanstöße gegeben und Sensibilität, Interesse und auch Begeisterung für ökologische und klimatische Zusammenhänge in der Stadt entfacht werden.

Die Station Fassadenbegrünung

Fassadenbegrünung in Leer

Die Station zur Fassadenbegrünung an der Wilhelmine-Siefkes-Schule in der Altstadt ist besonders interessant, da hier auf engstem Raum unterschiedlichste Fassadenpflanzen gezeigt und erläutert werden. Unter dem Motto „Wat'n Pläseer!“ (plattdeutsch für: So etwas Schönes!) zeigt sich, wie vielfältig die Möglichkeiten von Fassadengrün sind. Nahezu für jeden Gebäudetyp gibt es passende Pflanzen. Manche Pflanzen benötigen Kletterhilfen, die in verschiedenen Ausführungen gezeigt werden. Aber auch Selbstklimmer, also die Pflanzen, die direkt an den Wänden haften, sind mit unterschiedlichen Arten vertreten. Kleine Emailtafeln erläutern die Besonderheiten der teils laubwerfenden, teils immergrünen Kletterpflanzen vor Ort.

Insgesamt wachsen elf verschiedene Arten an den Wänden der Wilhelmine-Siefkes-Schule. Sie alle brauchen nur eine Handbreit Boden und kosten nicht viel:

Mit Kletterhilfe:

  • Anemonen-Waldrebe (Clematis montana „Rubens“)
  • Knöterich (Polygonum aubertii)
  • Blauregen (Wisteria sinensis)
  • Immergrünes Geißblatt (Lonicera henryi) (immergrün)
  • Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium)
  • Feuer-Geißblatt (Lonicera heekrottii)

Selbstklimmer:

  • Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata „Veitchii“)
  • Wilder Wein (Parthenocissus quinque folia var. „Engelmanniana“)
  • Kletterhortensie (Hydrangea anomala ssp. Petiolaris)
  • Efeu (Hedara helix) (immergrün)
  • Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) (winterblühend, verhakt sich in andere Pflanzen)

Die Stadt Leer fördert seit 1993 die Fassadenbegrünung. Mittlerweile verbessern bereits über 5.000 von der Stadt verschenkte Kletter- und Schlingpflanzen das Stadtklima und verschönern gleichzeitig das Stadtbild. Wer in Leer wohnt, bekommt bis zu fünf Pflanzen kostenlos von der Stadt.

Online können Sie sich den LEER-Pfad unter www.stadtmarketing-leer.de (Menüpunkt Projekte/Archiv/stadtökologischer LEERpfad) ansehen (Die Fassadenbegrünung ist die Station E).

Temperaturmessungen:
Die Kletterpflanzen tragen einerseits durch ihre Haftwurzeln dazu bei, das Gemäuer trocken zu halten und befeuchten durch die Verdunstung über die Blattoberflächen die Umgebungsluft, auch wenn das mit der uns zur Verfügung stehenden Messtechnik nicht nachzuweisen war. Die relative Luftfeuchte lag bei 59 Prozent.

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